
Guinea Conakry 🇬🇳 - Regenzeit lass nach...
- Sandra
- 7. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Immer noch wartete ich auf mein E-Visa für mein nächstes Land: Guinea Conakry. Über eine Woche war vergangen, und ich saß seit Tagen an der Grenze fest. Die Unterkunft war so schmutzig und heruntergekommen, dass ich lieber draußen in Crappy schlief.
Immerhin hatte ich von 19:00 Uhr bis 07:00 Uhr Strom und konnte mein Handy laden. Mein Fuß war wieder geschwollen. Wieder ging ich ins Spital – und bekam erneut eine andere Diagnose: Venenthrombose, geschwollene Lymphknoten wegen Malaria, Würmer, nun Hepatitis. Letzteres konnte ich gleich ausschließen – ich bin geimpft und wurde erst vor einer Woche negativ getestet.
Ich bekam Lebermedikamente und eine Wurmkur, obwohl ich überzeugt bin, dass es nichts von alledem ist. Ich hatte keine Beschwerden, weder am Bein noch sonst irgendwo. Drei Tage, neun Apotheken und schließlich eine Lieferung aus Freetown später hatte ich endlich ein ähnliches Medikament, welches ich einnehmen sollte.
Es ist einmal mehr eindrücklich: Medizinische Versorgung, Wasser, Lebensmittel – nichts davon ist selbstverständlich. Gibt es das Medikament nicht in Freetown, gibt es es im ganzen Land nicht. Für mich nicht lebensbedrohlich, aber erneut eine Situation in Afrika, die mich demütig macht.

Nach insgesamt fast zwei Wochen Wartezeit – davon fünf Tage direkt an der Grenze – erhielt ich endlich mein E-Visa. Ich hatte bereits Botschaften in Freetown und der Schweiz kontaktiert, die sich gegenseitig die Schuld zuschoben.
Ich hatte ohnehin vor, an diesem Tag die Grenze zu überqueren. Fast jeder Reisende wartet ewig auf dieses Visum. Ich hatte sogar schon ein gefälschtes Visa vorbereitet, das ich mit meinem Namen angepasst hatte – sah echt aus, aber mit QR-Code. Hätten sie einen Scanner gehabt, wäre ich geliefert gewesen. Zwei Stunden vor dem Grenzübertritt kam dann doch das echte E-Visa.
Der Grenzübergang? Supereinfach. Beidseitig in weniger als fünf Minuten erledigt. Und so war ich in meinem 20. afrikanischen Land: Guinea Conakry. Ehrlich gesagt: Ich hatte bisher nichts Positives über dieses Land gehört. Die Menschen sollen anstrengend sein, der Verkehr in Conakry gefährlich.
Doch ich beschloss, dem Land eine Chance zu geben – schließlich hatten mich oft gerade die Länder begeistert, die niemand mochte. Auch diesmal machte der erste Eindruck Hoffnung: Die Menschen freundlich, mein Französisch ausreichend. Nach Liberia und Sierra Leone war ich fast froh, wieder in einem französischsprachigen Land zu sein – nicht zuletzt wegen des Essens. Baguette und La Vache qui rit und dem Kaffee – mein Leben!

Etwa auf halber Strecke nach Conakry fand ich vor dem Regen noch eine Unterkunft. Mitten in der Nacht musste ich mit Crappy auf die Veranda umziehen – Stromausfall, kein Ventilator.
Am nächsten Tag war ich schneller als erwartet in den Vororten von Conakry. Ich nahm ein Taxi quer durch die Stadt, um auf der anderen Seite zu übernachten. Das erste Hotel, in das mich der Fahrer brachte, war ein eindeutiges Sex-Etablissement – nur Männer, Bier, keine Frauen. Ich beschloss, weiterzufahren.
Einige Kilometer später fand ich eine bessere Unterkunft. Zwar auch mit Kondomen auf dem Nachttisch, aber immerhin ohne merkwürdige Gestalten.
Erster August – mein Geburtstag. Kein entspannter Tag: Ich musste in die Stadt, um mein Visum für Guinea Bissau zu besorgen. Ich spielte mit dem Gedanken, das Land zu umgehen – katastrophale Straßen, 100 USD für das Visum, erneut rein in die chaotische Stadt. Aber es wäre mein letzter Botschaftsbesuch auf dieser Reise. Danach nur noch E-Visas oder sogar visafrei. Ich wollte meinen letzten Botschaftsbesuch bewusst erleben.
Ich nahm ein Mototaxi zum Busbahnhof. Wir einigten uns auf 5000 Francs. Als ich zahlte, sagte der Fahrer plötzlich, es sei zu wenig. Ich war sicher, er hatte 5000 gesagt – mein Französisch reicht für Preisverhandlungen. Ich legte das Geld auf den Tank und ging. Doch er packte mich grob am Handgelenk – es tat richtig weh. Ich schrie. Menschen kamen, wurden aggressiv, hielten mich fest. Der Grund für die Preiserhöhung? Ich sei eine Frau.
Ich wurde geschubst, bedroht, die Polizei wollte mich mitnehmen. Irgendwann einigten sie sich auf eine Nachzahlung – 7000 bis 100.000 Francs standen im Raum. Ich zahlte 70 Cent – nicht wegen des Geldes, sondern weil ich das Visum brauchte. Aber es tat weh, weil ich weiss, dass dies mit der nächsten weissen Frau ebenso abgezogen wird.
Ich setzte mich weinend auf eine Bank. Ein junger Mann kam, tröstete mich: „Es ist vorbei. Ich helfe dir.“ Er gab mir Hoffnung zurück.
Er organisierte ein Taxi, zeigte mir noch, wo ich Passfotos machen konnte – und brachte mich zur Botschaft von Guinea Bissau.
Diese war ein Traum: Pass, Foto, Gelbfieberausweis, 100 USD – 30 Minuten später war das Visum im Pass. Die Frau gratulierte mir zum Geburtstag und umarmte mich herzlich.
Da ich schon in der Stadt war, fuhr ich weiter zum Flughafen. Manche sagen, man braucht einen Sticker im Pass, andere nicht. Ich holte ihn – sicher ist sicher.
Mein 35. Geburtstag? Kein Feuerwerk, keine Torte – aber voller Emotionen.

Die Straße bis Boké sei gut. Für die Strasse danach bekomme ich von den Einheimischen wie so oft keinen Kommentar, was nie etwas gutes bedeutete. Wenn niemand sagt, sie sei gut, ist sie sicher schlecht.
Dafür hatten einige, männliche Radreisende das Gefühl mich von der kommenden Strasse warnen zu müssen. Weil erneut; ich bin ja eine Frau und wie bitteschön, kann man den ohne Penis Fahrradfahren?
Einen Tag blieb ich tatsächlich fast vollständig trocken. Abends dann wieder durchgenässt. Ich bin nun voll in der Regenzeit angekommen. Jeder Tag regnet es. Intensiv und lange. All meine Ausrüstung ist feucht, stinkt und trocknet nie.
Die Unterkünfte in Guinea sind verhältnissmässig teuer (um die 20 CHF/Nacht) dafür bekommt man, mit Glück ein paar Stunden in der Nacht Strom und eine Kübeldusche. Dass man wegen den Krabbeltieren im Zelt schläft versteht sich von selber.
So oft habe ich es nun hier in Guinea erlebt, dass der Generator ausfällt und man dann gar keinen Strom hat. Somit auch keinen Ventilator. So schlafe ich eigentlich öfter Draussen als Drinnen.
Nun bin ich in der letzten Stadt vor der grossen Schlammschlacht nach Bissau angekommen und freue mich auf ein weiteres Offroad-Abenteur.
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